Umsiedlung

Die Umsiedlung des Dorfes Otzenrath/Spenrath muss als tiefer Einschnitt in die Geschichte dieser Dorfgemeinschaft gewertet werden, da sie endgültig und nicht wieder rückgängig zu machen ist. Natürlich ist jede Berichterstattung über dieses Thema subjektiv belegt, somit auch die Berichte, die man auf diesen Web-Sites findet. Wir von der Dorfgemeinschaft Otzenrath/Spenrath e. V. versuchen uns stets im Sinne unserer Heimat zu positionieren.

Auch in Otzenrath/Spenrath sind die Meinungen zu "Garzweiler II" niemals eindimensional. Ob das Ergebnis der Umsiedlung irgendwann abschließend als sozialverträglich bewertet werden kann, bleibt abzuwarten. Den Prozess der Umsiedlung einschließlich der vorlaufenden Entschädigungsverhandlungen kann man jedoch - und hier sprechen wir im Sinne vieler Beteiligten - als durchaus nicht sozialverträglich beurteilen. Dies u. A. deshalb, weil die Otzenrather und Spenrather immer wieder für die ursprünglich zugesagte Infrastruktur der neuen Heimat kämpfen mussten und das bis heute noch tun. Zugesagt war nämlich, dass man all das wiederbekommen sollte, was in den alten Orten an Infrastrukturmaßnahmen vorhanden war. De facto war es jedoch in den letzten Jahren so, dass man für jede Einrichtung mehr als hart kämpfen musste. Denn ob Sportplatz, Turnhalle, Dorfplatz, Schule, Kindergarten oder etliche andere Dinge - immer mussten sich die Betroffenen in harten Verhandlungen mit dem Bergbautreibenden, dem Land NRW, kirchlichen Amtsträgern des Bistums Aachen und verschiedenen kommunalen Kräften einbringen und durchsetzen. Es haben die örtlichen Vereine, Kirchen, der Bürgerbeirat sowie viele Bürger und Bürgerinnen ehrenamtliche Schwerstarbeit geleistet und einen erheblichen Teil ihrer Freizeit geopfert. Eine Tatsache, die vor dem Prozess der Umsiedlung von den Verantwortlichen immer in Abrede gestellt worden ist.

Dabei ist aber herauszuheben, dass sich der damalige Bürgermeister sowie die heutige Bürgermeisterin und der Umsiedlungsbeauftragte der Gemeinde Jüchen mit den Belangen der Otzenrather und Spenrather identifiziert haben. Der Begriff der Solidarität scheint hier nicht überzogen.

Im Sinne einer Zwischenbilanz kann man attestieren, dass dieser Kampf für die Infrastruktur in Otzenrath und Spenrath in weiten Teilen seinen Niederschlag gefunden hat, auch wenn nicht oder noch nicht alle Ziele erreicht wurden. So muss der Sakralbau als Ersatz für die historische katholische Kirche als - wenn auch durchaus gut gelungener - Kompromiss gewertet werden.

Derzeit noch offen ist der Ausgang des Ringens um den Ersatz des ehemaligen Vereinslokals "Haus Otzenrath". Obwohl sowohl ein Investor als auch ein geeigneter Pächter öffentlich und mehrfach ihre Bereitschaft zu Errichtung und Betrieb des neuen Hauses Otzenrath bekundet haben und Konzept und Pläne zur Realisierung vorliegen, scheint RWE Power bei den Verhandlungen zur Entschädigung des betreffenden Alt-Objektes auf Zeit zu spielen.
Abschließend bewerten kann man die Umsiedlung heute in Gänze noch nicht, sicher ist jedoch, dass sie für ein 800 Jahre altes Dorf eine Veränderung darstellt, die allein mit Entschädigungsmitteln nicht gutzumachen ist. Der Mikrokosmos Otzenrath ist stark durch dieses Projekt beeinflusst und wird nachhaltig die sozialen Bindungen und Strukuren - im Positiven wie auch im Negativen - prägen.

Welche Auswirkungen Garzweiler II auf Umwelt, Klima und Energiepolitik haben wird, sollen andere beurteilen und verantworten. Genau die, die die Realisierung des Tagebaus beschlossen haben.

Otzenrath und Spenrath wird am neuen Standort weiterleben und existieren. Man schaut mutig nach vorne ohne das Geschehene zu vergessen. Vergessen wird man die alte Heimat nie, hat sie die Menschen doch nachhaltig geprägt. Schon heute versucht man über diese Präsentation oder den Geschichtskreis Otzenrath/Spenrath die Erinnerung aber auch die aktuellen Geschehnisse zu dokumentieren und den Menschen aus Nah und Fern näher zu bringen.